Zweifel und Fragen

"Soll ich oder soll ich nicht ?", Anlaufpunkt für alle die sich frisch angemeldet haben oder noch unschlüssig sind ob sie das tun sollen

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Vivianna
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Zweifel und Fragen

Beitrag von Vivianna » Mi 9. Sep 2015, 08:29

Hallo ihr Lieben,

ich habe schon das Forum durchgeforstet und bemerkt, dass sehr Viele vorab ihre Zweifel anmelden, ob man das Studium schaffen kann und womöglich könnt ihr es nicht mehr "hören" :grin: ... aber es hat ja doch jeder seine eigene Geschichte und deshalb möchte auch ich Euch nun nach Eurer Meinung fragen und hoffe wirklich auf ehrliche Antworten.

Ich bin 37 Jahre alt. Ich habe in jungen Jahren die Ausbildung zur RFA gemacht und dann noch weitere 13 Jahre im Anwaltsbüro/Notarbüro gearbeitet, was total Spaß gemacht hat, vor allem das selbständige Arbeiten. Da mein Chef dann in Rente gegangen ist, habe ich den Job gewechselt und arbeite nun seit 5 Jahren im öffentlichen Dienst als Angestellte. Hier gibt es zwar auch viele Vorteile (die Klassiker des öffentlichen Dienstes), aber vom Arbeiten her ist es sehr langweilig und eintönig und ich vermisse meine alten Tätigkeiten, das Wissen und das selbständige Arbeiten doch sehr. Weshalb ich nun überlege den Rechtsfachwirt zu machen.

Da ich schon seit 5 Jahren raus bin, habe ich das Gefühl (bzw. es ist einfach so), dass ich von den Tätigkeiten/vom Wissen einer RFA nichts mehr weiß. Weder kenne ich mich noch im RVG aus, noch sonst irgendwas.

Und die Tätigkeit, die ich jetzt ausübe, gibt mir auch nicht die Möglichkeit, an irgendwelche Gesetze/Rechtsprechungen oder Ähnliches ranzukommen. Das könnte doch sehr nachteilig sein, oder?

Ich habe einerseits das Gefühl, dass ich hier nicht ewig versauern kann und deshalb unbedingt was machen muss, um vorwärts zu kommen und eine bessere Anstellung zu finden. Andererseits bin ich mir unschlüssig, ob ich den öffentlichen Dienst wirklich verlassen sollte.

Hat Euch der Rechtsfachwirt denn im Berufsleben "vorwärts" gebracht?? Was hat Euch die Ausbildung generell gebracht?
Kann man mit dem Rechtsfachwirt ausschließlich im Anwaltsbüro arbeiten oder öffnen sich ggf. auch andere Türen?

Dann kommt noch hinzu, dass ich neben meinem Hauptjob noch einen Nebenjob habe, d.h. ca. 50 Std/Woche.

Kann man zeitlich den Fachwirt schaffen? Wieviel muss man pro Woche lernen? Gibt es noch jemanden, der Voll- und Nebenjob hat (und ggf. Familie - denn auch hier weiß man ja nie, was privat noch passieren kann- worüber ich mir Gedanken mache)?

Und zum Abschluss noch eine andere Frage zu den Kosten:
Ich wohne 350 km weit weg von Berlin und müsste zu den Präsenzwochen wohl ein Hotel o. ä. nehmen. Macht ihr das auch so?
Oder sind die meisten von Euch aus Berlin und Umgebung, so dass ihr das einspart?
Was gebt ihr zusätzlich für Bücher usw. aus?

Mein Text ist nun doch sehr lang geworden. Ich hoffe trotzdem sehr, dass ihr Euch ein bisschen Zeit nehmt für mich :grin: :grin:

Vielen lieben Dank an Euch Alle!!!!

LG
Vivianna




Fischerin

Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Fischerin » Mi 9. Sep 2015, 12:47

Hallo Vivianna,

ich würde es wagen, schon allein, weil du sonst irgendwann vielleicht bereust, es nicht versucht zu haben. Bestimmt kommst du schnell wieder in die Materie rein.

Ich habe wenig aus Zeitschriften und Kommentaren kopiert und bin trotzdem sehr gut durchgekommen. Entscheidungen habe ich über "Jurion" im Internet herausgesucht. Ich habe beim Lernen die Paragrafen notiert, zu denen ich in Kommentaren nachlesen wollte, und habe dann gesammelt im Büro entsprechendes kopiert. Sowas könntest du bestimmt auch in einer (Gerichts-) Bibliothek erledigen.

Wie diszipliniert man ist, wie gut man Stress wegstecken kann und wie viele Einschnitte man im Privatleben während der Studienzeit machen kann und möchte ist natürlich sehr individuell. Ob du das Lernen neben den 50 Stunden noch packst, musst du entscheiden. Die empfohlene Mindestanzahl von Lernstunden in der Woche beträgt glaube ich 10 bis 15, die brauchst du auch, wenn du das Studium in den 1,5 Jahren durchziehen willst. Allein das recherchieren hält schon sehr auf. Ich habe mir für das Studium ein Jahr mehr Zeit gelassen und einmal die Wiederholergebühr gezahlt, um meine Lebensgewohnheiten nicht komplett über den Haufen werfen zu müssen. Die meisten wollen es natürlich schnell in der Regelstudienzeit durchziehen, mir macht es nichts aus, länger dranzubleiben und dafür am Wochenende auch mal frei zu haben und meine Mutter zu besuchen o.ä.

Ich bin mit dem Zug nach Berlin und habe während der Präsenzphasen in einem Apartment gewohnt, von wo ich zur Beuth laufen konnte. So eine Woche mit Verpflegung hat mich mind. 600 € mit allem drum und dran gekostet. Ich habe aber auch Wert auf eine gepflegte Unterkunft zur Alleinnutzung in der Nähe der Beuth gelegt, man bekommt es natürlich auch immer billiger. Für Bücher und Gesetzestexte gingen auch einige Hundert Euro drauf. Man kann auch noch mehr Geld ausgeben, indem man z.B. an den angebotenen Seminaren bei der Beuth teilnimmt. Nach oben ist alles offen.

Viele Grüße und alles Gute.

Vivianna
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Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Vivianna » Do 10. Sep 2015, 10:49

Hallo Fischerin :wink:

vielen lieben Dank für Deine Antwort.

Ich hatte das auch schon gelesen, dass man in etwa 10 - 12 Std./Woche zum Lernen investieren sollte... wollte aber einfach mal ein Beispiel aus der Praxis haben... und von Euch mal hören, was ihr "nebenbei" noch alles zu managen habt und Euch trotzdem fürs Studium entschieden habt und wie es zu schaffen war.

Aber sicherlich ist es für Jeden anders... der Eine kriegt alles ganz gut hin und er Andere wieder nicht... ist aber auch schwierig zu entscheiden, wenn man es nicht ausprobiert.

Ich bin echt zwiegespalten, weil ich einerseits echt richtig Lust hätte mich fortzubilden... andererseits würde ich es nur tun, wenn es mich wirklich auch vorwärts bringen würde... weshalb ich gern wüsste, was Euch der Rechtsfachwirt für Veränderungen gebracht hat.

In Stellenanzeigen werden ja leider kaum Rechtsfachwirte gesucht - da scheint es sich in den Köpfen noch nicht so festgesetzt zu haben als Beruf.

Und auch nochmal eine andere Frage:
Wie ist es mit Büchern - was genau für Bücher habt ihr gekauft?
Muss es der Schönfelder sein oder reichen vereinzelte Gesetze (BGB/ZPO usw.)??

Danke Euch!!! :grin:

Fischerin

Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Fischerin » Do 10. Sep 2015, 13:05

Hallo nochmal,

Wissen bringt einen immer vorwärts, auch wenn mal als RFA im alten Job stecken bleibt. Ob das einhergeht mit zusätzlichen Aufgaben und / oder geldmäßig belohnt wird hängt nicht nur vom Arbeitgeber, sondern auch von einem selbst ab. Fachwirte werden tatsächlich nicht so oft gesucht, aber durchaus genommen. Man muss eben für sich eintreten, natürlich auch eine Portion Glück haben und eventuell reise- oder umzugsbereit sein, wenn sich im alten Job, tiefsten Thüringen (...) keine Firma eine qualifizierte Mitarbeiterin für anständiges Gehalt leisten kann oder will. Ich habe viel für meine gute Abschlussnote bei der Ausbildung getan, habe immer alle anstehenden Aufgaben angepackt, mich jedes Jahr fachbezogen fortgebildet und nie bei einem Vorstellungsgespräch das erstbeste Angebot angenommen und kann mich nun über mein Gehalt und meine Position nicht beschweren.

Es müssen der Schönfelder und der Schönfelder Ergänzungsband sein, nur die sind bei der Beuth bei Klausuren und bei Kammerprüfungen zugelassen. Außerdem braucht man noch Arbeitsgesetze. Ansonsten habe ich mir ein ZV-Buch, ein RVG effizient und zwei kleine BGB und ZPO leicht gemacht gegönnt. Ob man es schafft, diese zu lesen, steht wieder auf einem anderen Blatt. Sie eignen sich natürlich gut als Nachschlagewerk und wenn man tiefer in ein Thema eintauchen oder wiederholen möchte.

LG

PS: Ich habe schon öfter Gegenwind ausgerechnet von Kolleginnen bekommen, nach dem Motto: Fachwirt? Bringt doch eh nichts! Das sind dann die Kolleginnen, die sich wenig bis gar nicht fortbilden, wesentlich weniger Berufserfahrung haben oder nur wenig verschiedene Tätigkeiten im Laufe des Berufslebens übernommen haben und sich zudem nicht trauen, nach einer Gehaltserhöhung zu fragen. Der Fachwirt ist ein "Meistertitel" - ich finde, den muss man nicht kleinmachen!

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Jamie
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Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Jamie » Fr 11. Sep 2015, 16:07

Ich stimme der Fischerin in allen Punkten voll umfänglich zu.

Mich hat der ReFaWi vorangebracht. Ich hab ein tolles Netzwerk, ich habe mir Nebentätigkeiten gesucht (oder diese mich, je nachdem). Geschadet hat´s jedenfalls nicht.

www.prorenos.de
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Vivianna
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Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Vivianna » Fr 11. Sep 2015, 17:30

Hallo und Danke Euch nochmals für die Antworten!!

Dass der Rechtsfachwirt viel Arbeit kostet und man auch sehr viel Wissen erwirbt, bezweifle ich auch keine Sekunde!! Ganz im Gegenteil!!!! Ich wollte nur wissen, was er in der Praxis auch tatsächlich bringt - denn manchmal habe ich das Gefühl, Anwälte streuben sich Rechtsfachwirte einzustellen, da diese womöglich mehr kosten.

Aber wie Fischerin schon sagt - es liegt sicher an einem selbst was man draus macht!! Und Wissen schadet nie!!!!

Habe auch richtig Lust mit dem Studium loszulegen... aber in einer Frage brauche ich nochmal Eure Hilfe:
Wie schon gesagt arbeite ich seit 5 Jahren nicht mehr im Anwaltsbüro und habe entsprechend viel versäumt, was in den letzten 5 Jahren an Neuerungen kamen. Auch kann ich die Theorie nicht in der Praxis anwenden.

Ist des sehr nachteilig????

Gibt es auch Andere, die schon so lange "raus" sind und den Rechtsfachwirt rein anhand des Fernstudiums gepackt haben (also ohne BErufspraxis)??

Habe nämlich erfahren, dass man zum Notarfachwirt nur zugelassen wird, wenn man aktuell mindestens 3 Jahre beim Notar arbeitet... da sonst die Durchfallquote so hoch sei.

Habe jetzt Sorge, dass ich Probleme haben könnte, den Rechtsfachwirt zu packen, ohne Berührungspunkte in der Praxis.

Ich wäre um schnelle Antworten sehr dankbar, da ich mich bald entcheiden sollte, ob ich mich nun anmelde oder nicht!!
Gern auch von fertigen REchtsfachwirten, die vor und zum Zeitpunkt des Studiums schon mehrere Jahre nicht in dem BEruf gearbeitet haben.

DANKE

jenniferbecker15
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Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von jenniferbecker15 » Mo 14. Sep 2015, 09:28

Hallo Vivianna,

ich bin Jenny, 25, und warte auf meine Prüfungsergebnisse.

Eines vorweg, das Studium ist hart, kostet viel Zeit und Tränen, aber kann auch genauso Spaß machen.

Und wegen der Beurfspraxis, kaum einer in meinem Kurs konnte sagen, dass er alles hat in seiner Praxis. ZV z. B. unterscheidet sich m. E. stark im Studium mit der Praxis. Dort habe ich selten Parallelen entdecken können. Dies ist auch so ziemlich mein schlimmstes Fach.

Wegen Kosten brauchst du dir keine Sorgen machen. Frau Asperger hat es voll drauf und sie kann es sehr gut vermitteln, noch nie habe ich das Fach so gemocht wie in dem Studium.

Mache es einfach, nimm jedes Rep mit und dann wirst du das schon schaffen. Im Zweifel muss man eben in eine Ergänzung, da die Prüfungen in Berlin sehr hart sind, aber machbar. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, umso länger du wartest, umso länger bist du raus.

Schakka!

Liebe Grüße und ganz viel Spaß!
:-D Aufgegeben werden Pakete und sonst nichts!!! :fresse: :suspect:

Kikki2015
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Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Kikki2015 » Mi 16. Sep 2015, 12:34

Hallo Vivianna,

vielleicht hast Du meinen Ü40-Beitrag gelesen... Ich bin noch mal ein paar Jahre älter und noch länger draußen und trotzdem habe ich mich angemeldet (vergangene Woche) und vorgestern erste Unterlagen erhalten. Gelinde gesagt habe ich auch "die Hosen voll", aber ich nehme das jetzt in Angriff. In erster Linie tue ich es für mich, um im Job wieder selbstbewusster auftreten zu können. Nach einer langen Pause möchte ich mit hoffentlich positivem Ausgang des Studiums beruflich wieder richtig durchstarten. Also wie gesagt: Angst habe ich auch, aber ich bin sehr neugierig.


Viel Glück bei Deiner Entscheidungsfindung - aber viel Zeit bleibt tatsächlich nicht mehr.

Kikki2015

bine91
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Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von bine91 » Mo 21. Sep 2015, 10:00

Hallo :)

Also ich denke man kann alles schaffen, ich war auch erst am zweifeln und habe mich sehr sehr viel informiert.

Schließlich habe ich ich für dieses Jahr auch angemeldet. Ich finde auch, dass die Unterlagen sehr gut sind(nach dem ersten Eindruck). Mir ist auch klar, dass es eine anstregende Zeit wird, aber man weiß ja für wen und warum man es macht.

Wie du auch in diesem Forum siehst, hier wird einem immer geholfen.

Wenn man eine Frage hat, antwortet immer jemand und man bekommt eine Antwort.

Ich wohne auch um die 400 km weg von Berlin. Aber man ja ja auch die Möglichkeit sich mit einer Unterkunft zusammen zu tun, um die KOsten geringer zu halten.

Von wo kommst Du?

LG

Twitir
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Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Twitir » Sa 25. Aug 2018, 01:04

Sie können auch im Internet recherchieren. Das wird dir auch sehr helfen.Klingt großartig, vielen Dank.

Wareir
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Registriert: Do 26. Jul 2018, 11:42

Re: Zweifel und Fragen

Beitrag von Wareir » Mo 27. Aug 2018, 02:30

Jamie hat geschrieben:
Fr 11. Sep 2015, 16:07
Ich stimme der Fischerin in allen Punkten voll umfänglich zu.

Mich hat der ReFaWi vorangebracht. Ich hab ein tolles Netzwerk, ich habe mir Nebentätigkeiten gesucht (oder diese mich, je nachdem). Geschadet hat´s jedenfalls nicht.
Das ist, was ich auch denke.

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