Grundbuchberichtigung bei vertauschten Wohnungen

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KirstenC
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Grundbuchberichtigung bei vertauschten Wohnungen

Beitrag von KirstenC » Fr 16. Mär 2018, 11:18

Hallo zusammen,

ich habe einen Kaufvertrag über Wohnungseigentum vorbereitet und, wie üblich, dem Käufer geraten, vorher einmal die Aufteilungspläne anzusehen, um die Lage seines Keller- und Bodenraumes zu sehen.

Jetzt hat der Verkäufer die Lagepläne vom Verwalter erhalten und festgestellt, dass er seit zehn Jahren in der falschen Wohnung lebt. Laut Grundbuch ist er Eigentümer der Wohnung Nr. 4, wohnt nach den Lageplänen jedoch in Wohnung Nr. 3. -Er hat die Wohnung selbst vor 10 Jahren gekauft, sich aber damals nicht die Pläne angesehen.

Ich denke, wir benötigen aus grundbuchrechtlicher Sicht einen Tauschvertrag mit Auflassung - unter Erläuterung des irgendwann mal aufgetretenen Erklärungsirrtums. Berichtigung als falsa demonstratio wäre ja eigentlich nur direkt bei Eintritt des Versehens möglich. Nachteil beim Tausch ist natürlich die steuerliche Seite, weil ja voll Grunderwerbsteuer anfällt und auch andere Steuern (10 Jahresfrist beginnt neu) betroffen sind.

Jetzt meint der Verkäufer, der selbst auch Jurist ist, er könne mit seinen Nachbarn doch einfach die Nummerierung auf den Lageplan ändern und die Grundbuchberichtigung bewilligen. Ich denke, dass dies nicht ohne weiteres (Mitwirkung aller Wohnungseigentümer) möglich wäre, auch wenn nicht in das Gemeinschaftseigentum eingegriffen wird, und zudem trotzdem die Steuer ausgelöst würde. Hat jemand von Euch noch eine Idee, wie wir die Angelegenheit kostengünstig für den Verkäufer regeln können? :wink:

Viele Grüße
Kirsten

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Bolleff
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Re: Grundbuchberichtigung bei vertauschten Wohnungen

Beitrag von Bolleff » Fr 23. Mär 2018, 08:17

Evtl. liegt auch ein Fehler in der damaligen Teilungserklärung vor, der einfach durch das GBA übersehen wurde? Wir haben gerade aktuell einen solchen Fall mit Vertauschung der WE-Nrn. durch den Architekten im Aufteilungsplan (nach DG-Ausbau), der sich dann in der geänderten TE fortsetzte, in welcher der Notar dann auch noch die MEA falsch berechnete, dem GBA das nicht auffiel und das GBA dann auch noch alte MEA (aus der ursprünglichen TE) den WE zuordnete. Das ist ein Kuddelmuddel und erst jetzt aufgrund eines weiteren Ausbaus dem neuen Architekten wohl aufgefallen, daß da was "vorne und hinten nicht stimmen kann".

Wir schlagen derzeit den Weg ein, erst einmal die Berichtigung der Aufteilungspläne durch den damaligen Architekten zu erreichen, aufgrund derer dann eine weitere Berichtigung des Notars hinsichtlich der MEA geschieht, um dann beim GBA die weiteren Fehler auszubügeln.

Insofern denke ich, daß bei Dir die falsa demonstratio schon zieht, da eindeutig ist, dass er im WE 3 wohnt, dieses ihm auch verkauft werden sollte, lediglich aufgrund der falschen GB-Bezeichnung in seinem KV als WE 4 bezeichnet wurde. Ich denke, hier wäre evtl. vor Weiterverkauf das GB richtig zu stellen, bevor sich die Kette der Falschbezeichnungen fortsetzt?
»Die meisten Probleme entstehen bei ihrer Lösung.«
(Leonardo da Vinci)

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