Kammerprüfung 2013 - schriftliche Prüfung Teil II

aus aktuellem Anlass: Alles zum Thema "Prüfung vor der Kammer"

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Bolleff
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Kammerprüfung 2013 - schriftliche Prüfung Teil II

Beitrag von Bolleff » Fr 24. Mai 2013, 18:35

Hier nun der II. Teil der schriftlichen Prüfungen in diesem Jahr. Auch hier wieder aus dem Gedächtnis das Wesentliche oder auch nur das, was bei mir noch hängen blieb:


BGB/Zwangsvollstreckung (4-stündige Klausur)

1. Aufgabe:

Klaus Schnelle, der unter der Fa. Blitzfix einen Kurierdienst in Berlin-Spandau betreibt, erscheint bei seinem RA Held und teilt den folgenden Sachverhalt mit:

Er habe bei der Rost & Blech Autohandel GmbH einen Gebrauchtwagen zum Kaufpreis von 8.000,- € für seinen Kurierdienst erworben. Im Kaufvertrag habe er darauf bestanden, daß die folgende Passage aufgenommen wird: „Der Verkäufer versichert: Der Pkw ist unfallfrei. Kilometerstand: 15.500, Baujahr 2010.“

Nach 3 Monaten stellte sich bei einem Werkstattbesuch von Schnelle heraus, daß an der Hinterachse Schweißspuren zu erkennen sind und auch die Neulackierung der hinteren Türen wurde festgestellt. Beides konnte nur durch einen Unfall entstanden sein konnten. Allerdings seien die Schäden fachgerecht repariert worden.

Daraufhin habe Schnelle bei dem Geschäftsführer der Rost & Blech Autohandel GmbH angerufen, einem Herrn Bernd Vorteil, und ihm gegenüber erklärt, er solle den Pkw wieder zurücknehmen. Das hat dieser aber abgelehnt und verwies auf die Geschäftsbedingungen (jetzt nur sinngemäß): „Der Pkw wird verkauft wie besichtigt. Sollten sich später Mängel herausstellen, ist der Verkäufer lediglich zur einmaligen Reparatur verpflichtet, wenn der Mangel weder bekannt noch ersichtlich war.“

Nunmehr habe Schnelle den Rücktritt erklärt und von Vorteil die Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rückgabe des Pkw verlangt. Dies lehnte Vorteil ebenfalls ab.

Daraufhin wendet sich RA Held an den mittlerweile ebenfalls beauftragten gegnerischen Anwalt und fordert ihn nochmals zur Zahlung des Kaufpreises gegen Rückgabe des Pkw auf. Dies lehnt der RA der Rost & Blech Autohandel GmbH ab. Daraufhin erhebt RA Heldt auftragsgemäß Klage.

Fragen:
  1. Besteht ein Anspruch auf Rückzahlung des Kaufpreises gegen Rückgabe des Pkw? (Anfechtungstatbestände sollen nicht geprüft werden!)
  2. Welches Gericht ist für die Klage zuständig?
  3. Wie lautet die Bezeichnung der Parteien?
  4. Wie lautet der Klageantrag?

2. Aufgabe:

Abel hatte Bärmann einen Fernseher geliehen und hat nunmehr einen Titel gegen Bärmann auf Herausgabe des Fernsehers erwirkt. Als der Gerichtsvollzieher erscheint, stellt er fest, daß Bärmann nicht im Besitz des Fernsehers ist.

Frage: Was kann Abel tun?

Im nachfolgenden Klageverfahren wird bekannt, daß Bärmann nach Klagezustellung den Fernseher an Cäsar übergeben und veräußert hat.

Frage: Ist eine Veräußerung der streitbefangenen Sache überhaupt möglich?

Aufgrund des Urteils möchte Abel gegen Cäsar nun vollstrecken. Cäsar beruft sich aber darauf, daß er nicht wußte, daß Bärmann nicht Eigentümer des Fernsehers gewesen ist.

Frage: Wie ist die Rechtslage?

Frage: Welche Gerichte sind bei Frage 3) zuständig?


Büroorganisation (2-stündige Klausur)

Die Rechtsfachwirtin G fängt bei RA J neu in der Kanzlei an und soll die Büroleitung übernehmen. Dabei stellt sie das folgende fest:

Der Postausgang wird in einer Unterschriftsmappe gesammelt und nach Unterschrift durch RA J der Azubi D hingelegt, die für den Postausgang zuständig ist. Auf einigen Schreiben darin wird "per Fax" und auf anderen "vorab per Fax", auf weiteren "vorab per Fax" und eine Nummer angegeben. Andere Schreiben sind mit einem Haftzettel versehen, auf dem die Anweisung "per Einschreiben" und auf anderen "per Bote" geschrieben steht. Die Azubi gibt an, daß die Art des Einschreibens ihr überlassen sei. Weiterhin befindet sich in der Unterschriftsmappe ein eiliges Schreiben, welches mit einer roten Klammer versehen worden ist, die für die Eilbedürftigkeit stehe.

Telefaxe versendet die Azubi. Dabei prüft sie dann den Fax-Bericht, ob "O.K." darauf angegeben ist und die Seiten alle versandt wurden. Dann legt sie den Telefax-Bericht in den Posteingangskorb.

Die Rechtsanwaltsfachangestellte B gibt an, daß sie der Azubi ab und "über die Schulter schaut". Wenn ein Fristablauf ist, läßt sich RA J von der Azubi bestätigen, daß das fristgebundene Schreiben per Fax versandt wurde und sich im Postausgangskorb befindet.

Anmerkung: Ich glaube, der Sachverhalt war noch ein wenig ausführlicher - mir fällt er aber nicht mehr vollständig in allen Einzelheiten ein.

Fragen:
  1. Stellen Sie dar, wie der Postausgang ohne fristgebundene Schreiben allgemein zu organisieren ist und was die Rechtsfachwirtin G wohl ändern wird.
  2. Was ist bei fristgebundenem Postausgang besonders zu beachten?
  3. Wie läßt sich der Zugang eines Schreibens sicherstellen und im Streitfall der Zugang beweisen?
»Die meisten Probleme entstehen bei ihrer Lösung.«
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Beitrag von benny » Sa 25. Mai 2013, 22:09

Hatte vor Büroorganisation keine Lust mehr zum Schreiben. Aber es half ja nichts, hatte mir dann auch gesagt, daß 50 % ja reichen.

Heute habe ich echt Muskelkater in den Armen :-) und ich hoffe auch, daß die Korrekteure sehr gnädig bzgl. der Handschrift sind :duo:

Nun gibt es erst einmal Ferien und etwas Abschalten!!! Für den Fall, daß man mal absolut nicht einschlafen kann, kann ich ja immer mal in einen Ordner schauen :beye:

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Beitrag von heidi » So 26. Mai 2013, 02:00

Für meine Begriffe: Machbare Sachen, wie sehen es die anderen, vor allem die Prüflinge?

Gerade in Büro-Orga: Postausgang per Fax und eine Azubine, von wegen fristgebundende Sachbearbeitung, geschulte und kontrollierte Mitarbeiter, ggf Einzelanweisung und deren - nach BGH Plicht-Kontrolle usw.?

Besser jedenfalls als "ein Konzept für die Einrichtung neuer, moderner PC-Anlagen" und deren "Pflicht-Programme (Organisations-Muss)".

Lieber Bolleff, danke für deine Berichte.
Liebe Grüße aus Berlin-Spandau (und manchmal noch aus Schleswig-Hostein)


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Beitrag von benny » So 26. Mai 2013, 20:40

Fand die Orga-Aufgabe auch besser als erwartet. Viel besser als technische Sachen, oder die Beachtung im E-Mail Verkehr - grausam.

Aber so richtig einschätzen kann ich mein "Können" oder auch "Nicht-Können" nicht. Hoffe nur, daß es insgesamt gereicht hat.

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Bolleff
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Beitrag von Bolleff » Mo 27. Mai 2013, 07:31

benny hat geschrieben:Aber so richtig einschätzen kann ich mein "Können" oder auch "Nicht-Können" nicht. Hoffe nur, daß es insgesamt gereicht hat.
Ich vermute, daß die meisten so denken und sich auch so fühlen. :)
»Die meisten Probleme entstehen bei ihrer Lösung.«
(Leonardo da Vinci)

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Beitrag von einfachich77 » Mo 27. Mai 2013, 16:16

Bolleff hat geschrieben:
benny hat geschrieben:Aber so richtig einschätzen kann ich mein "Können" oder auch "Nicht-Können" nicht. Hoffe nur, daß es insgesamt gereicht hat.
Ich vermute, daß die meisten so denken und sich auch so fühlen. :)
Jap, kann ich auch so bestätigen... Das schlimme ist, je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr fällt einem ein, was man NICHT geschrieben hat. Sogar nachts habe ich solche Gedanken und kann dann nicht mehr einschlafen, weil ich mich so ärgere... :x Oh man und es sind noch vier laaaaange laaaaange Monate... :shock:

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Beitrag von b_schubbi » Mo 27. Mai 2013, 18:13

Ich war Freitag Abend beim Lesen des hier eingestellten Teil 1 erstaunt, worüber ich da eigentlich meine Prüfungen geschrieben habe... Das vom Donnerstag war Freitag Abend schon so was von weg... Also nach dem Prosecoo jedenfalls, den es mit der lieben Lerngruppenkollegin gab :prost: Keinen Gedanken verschwende ich mehr daran. Der Zeit-Aspekt hat mir auch zu Schaffen gemacht. Zum Ende musste ich mich jeweils ganz schön ran halten und insbesondere in Perso hoffe ich, dass das noch lesbar ist, was ich in den letzten 20 min schrieb. Das beste Utensil zur Prüfung war OROPAX (danke noch mal für den Tipp Melanie P.) :D
Ich fand die Prüfungen insgesamt aber sehr gut machbar, insbesondere, wenn man am Forum B teilgenommen hat. Ich bin aus fast jeder Prüfung mit dem Gefühl rausgegangen "Yeah, dat Ding haste inner Tasche" :bounce: Einzig bei Orga - "eigentlich" mein Lieblingsfach - tja, da kann man so viel labern und dabei vielleicht das Wesentliche verpassen. Aber wenn man auf die Erfahrungsberichte der "Alten Hasen" verweist, müsste ich mit meinem guten Gefühl ja überall durchgefallen sein. Schau'n wa mal, bis Anfang September werd ich daran nicht mehr denken und genieße mein neues altes Leben.

Kathi K.
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Beitrag von Kathi K. » Mi 2. Okt 2013, 15:46

Hallo,

gibt es irgendjemanden der in der Prüfung BGB/ZV mit sehr gut oder gut abgeschnitten hat? Falls ja, wäre es total super, wenn jemand stichpunktartig die Lösungen aufschreiben könnte. Ich bin nämlich leider in dem Fach durchgefallen und würde gerne wissen, wie es richtig gewesen wäre. Vor allem in ZV.

Vielen vielen Dank

LG Kathi

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Beitrag von b_schubbi » Mi 2. Okt 2013, 17:01

Au Backe, richtig "durch" durchgefallen? Ist ja Mist. Kopf hoch, das wird dann nächstes Jahr! Kann leider nicht helfen mit den Lösungen. Dachte im Mai zwar, dass ich das gut hingekriegt hab mit BGB/ZV, aber hab ja noch kein Ergebnis... erst abends...

Kathi K.
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Beitrag von Kathi K. » Do 3. Okt 2013, 10:03

Nee also ich kann eine Ergänzungsprüfung machen in dem Fach. Aber gerade deswegen wäre es gut, wenn ich wüsste, was ich in der Prüfung falsch gemacht habe. Vielleicht nehmen die ja auch Bezug auf die schriftliche Prüfung? Es wäre jedenfalls echt total nett, wenn hier jemand die Lösung kurz widergeben könnte.

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Beitrag von einfachich77 » Do 3. Okt 2013, 10:11

Ich kann Dir leider nicht helfen, aber zum Glück hast Du ja doch noch die Möglichkeit, es mit der Ergänzung doch noch zu schaffen.

Ich dachte auch mal, dass mir BGB/ZV liegt. Die 4, die ich gerade kassiert habe - und das trotz Forum B - hat mich schnell eines besseren belehrt und auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

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